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Versöhnungspreis

Laudatio Preisverleihung "All for Peace":

Verleihung des Versöhnungspreises der Klaus Jensen Stiftung in Trier
am 19. November 2004


Preisverleihung
(Foto: Josef Tietzen)

Laudatio von Klaus Jensen

Sehr geehrte Damen und Herren,
mit großer Freude dürfen wir heute den mit 10.000 Euro dotierten Versöhnungs- preis der Klaus Jensen Stiftung an den israelisch-palästinensischen Radio- sender „All for Peace“ (Alle für den Frieden) verleihen. Ich begrüße dazu nochmals ganz herzlich die beiden Vertreter der Träger des Senders: Herrn Hanna Siniora vom Verlagshaus Biladi, Herausgeber der Jerusalem Times, der einzigen unabhängigen englischspra- chigen Zeitung in den palästinensischen Gebieten und Herrn Alex G. Elsohn vom israelischen Friedensinstitut Givat Haviva.

Der Radiosender ist nicht das einzige Projekt der beiden Partner: Gemeinsam geben sie seit vier Jahren – Intifada und politisch unruhigen Zeiten zum Trotz – erfolgreich die Jugendzeitschrift Crossing Borders heraus, in der israelische, palästinensische und jordanische Jugendliche ihre Meinung schreiben können. Mit der Preisverleihung soll auch dieses Engagement gewürdigt werden.

Seit Februar 2004 sendet „All for Peace“ aus seinem Ost-Jerusalemer Studio. Ausgestrahlt wird das Programm von einem Sendemast in Ramallah in hebräischer und arabischer Sprache. Jüdische und arabische Moderatorinnen und Moderatoren berichten über alltägliche und aktuelle Ereignisse und stellen Versöhnungsprojekte vor.

Den Zielen unserer Stiftung entsprechend setzen sie mit ihrem Programm der Spirale von Gewalt und Gegengewalt, Feindbildern und Resignation ein Forum für den jüdisch-arabischen Dialog entgegen. Sie leisten daher einen Beitrag für eine friedliche Lösung des Nahostkonfliktes.

Selbstverständlich kann ein Radiosender keinen Konflikt lösen. Es sind viele Faktoren, die einen Konflikt begründen, ihn auslösen, ihn eskalieren lassen. Und es sind ebenso viele Faktoren, die einen Einfluss auf die Deeskalation von Konflikten, auf Verhandlungen und konstruktiven Vereinbarungen und letztlich auf die Versöhnung verfeindeter Konfliktparteien haben.
Wenn – wie wir glauben – Versöhnung eine Frucht von Gerechtigkeit, Toleranz und Wahrheit ist, kommt der Frage, welches Bild von der jeweils anderen Seite gezeichnet wird, eine besondere Bedeutung zu.

Wenn – wie wir wissen – die Medien Stimmungen und Meinungen der jüdischen wie der arabischen Bevölkerung – und natürlich auch der internationalen Staatengemeinschaft – in hohem Maße beeinflussen, dann gilt es, gerade auch an dieser Stellschraube des Friedensprozesses zu drehen.

Natürlich sind die schrecklichen Selbstmordattentate auf Israelis ebenso traurige Realität wie die Bombardierung palästinensischer Orte. Aber dieses auf Blut reduzierte Bild ist – Gott sei Dank – ebenso nur ein Teil täglicher Wirklichkeit.

Wir sehen, wie die selektive Berichterstattung über Gewalt und Gegengewalt einen anderen, für die Zukunft des jüdischen und palästinensischen Volkes so wichtigen Teil ausblendet; das tägliche Ringen einzelner Menschen, Gruppen und Institutionen um Begegnung, Dialog, Verständigung und Versöhnung.

Die bedrückende Einseitigkeit behindert den Friedensprozess, weil sie Lerneffekte bei den Unentschiedenen und Solidarisierungseffekte bei den Besonnenen und Engagierten unterdrücken und ganze Völker als gewalttätig diskriminieren. „All for Peace“ setzt Information an die Stelle von Propaganda, Dialog an die Stelle von Konfrontation und verleiht dem Ringen um eine gewaltfreie, nachhaltige Zukunft der beiden Völker die entsprechende Würde.

Mit der Verleihung des Preises möchte die Stiftung auch die Kommunikationsbehörden Israels und die palästinensische Autonomieverwaltung bewegen, mit dem Sender „All for Peace“ zu kooperieren, damit er seine volle Sendekapazität nutzen kann.

Erst wenn alle Israelis und alle Palästinenser Zugang zu diesem Medium und damit zu einer Alternative üblicher Berichterstattung erhalten, wird er seine Wirkung ganz entfalten können.

Die Aufgabe, die sich „All for Peace“ gestellt hat, ist groß. Es gilt, ein Volk, das auch aufgrund seiner leidvollen Geschichte sein Existenzrecht in ständiger Gefahr sieht, und ein Volk, dem ein Existenzrecht in eigenen Grenzen noch verwehrt wird, einander näher zu bringen. Wir wünschen Ihnen, lieber Herr Elsohn, und Ihnen, lieber Herr Siniora, viel Erfolg und viele Unterstützer. Möge der Tag nicht in allzu großer Ferne liegen, an dem Ihr Radiosender überflüssig geworden ist.



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